Etsy-Attribute und -Kategorien: das SEO, das alle vergessen
Du hast eine Stunde an deinen 13 Tags gefeilt und den Titel dreimal gelesen. Die von Etsy vorgeschlagene Kategorie hast du in zwei Sekunden bestätigt, und die Attributliste danach zur Hälfte ausgefüllt, bevor du auf Veröffentlichen geklickt hast. Das ist der häufigste blinde Fleck bei Etsy-Angeboten. Dabei ist es die einzige Stelle, an der du dein Produkt in strukturierten Begriffen beschreibst, ohne Spielraum für Interpretation.
Die Kategorie entscheidet über alles Weitere
Eine Kategorie legt dein Angebot nicht einfach in ein Regal. Sie bestimmt, welche Attribute dir danach angeboten werden, und in welchen Filtern dein Angebot auf Käuferseite überhaupt auftauchen kann.
Eine zu breite Kategorie schneidet dich von den Attributen der Unterkategorie ab, und damit von Filtern. Geh immer auf die genaueste Ebene, die noch stimmt: „Ketten mit Anhänger“ statt „Schmuck“. Wenn du zwischen zwei Zweigen schwankst, schau nach, wo die Angebote einsortiert sind, die auf deine wichtigste Schlüsselphrase bereits erscheinen, statt deiner eigenen gedanklichen Ordnung zu folgen.
Vorsicht, wenn du die Kategorie eines laufenden Angebots änderst: Attribute, die es in der neuen Kategorie nicht gibt, wandern nicht mit. Geh nach einer Änderung das ganze Angebot noch einmal durch, statt anzunehmen, dass alles stehen geblieben ist.
Attribute sind das Feld, das du nicht schreibst
Ein Attribut ist kein Freitext. Du wählst einen Wert aus einer festen Liste: Hauptmaterial, Farbe, Anlass, Empfänger, Stil, Größe. Genau das macht es wertvoll. Keine Rechtschreibung, über die man streiten kann, keine Synonyme, keine wacklige Übersetzung. Ein Angebot, das als Sterlingsilber deklariert ist, liest sich für eine französische oder spanische Käuferin genauso, ohne dass du das Wort in ihrer Sprache getippt hast.
Genau das speist auch die Filter in der linken Spalte der Suchergebnisse. Wer nach Material oder Farbe filtert, sieht ein Angebot mit leerem Attribut möglicherweise nie, selbst wenn das Wort im Titel steht. Ein nicht ausgefülltes Attribut kostet dich nicht ein paar Plätze im Ranking, sondern die komplette Sichtbarkeit in diesem gefilterten Ergebnis.
Ausfüllen, aber nicht schwindeln
Die umgekehrte Versuchung gibt es auch: bei allen sechzig Angeboten „Weihnachten“ anzuklicken, weil das vierte Quartal näher rückt, oder etwas als handgemacht zu deklarieren, das es nicht ist.
Ein falsches Attribut stellt dich vor Käufer, die etwas anderes suchen. Du sammelst Aufrufe ohne Klick und Klicks ohne Bestellung und verwischst das Signal, was dein Angebot eigentlich ist. Dieselbe Logik wie bei Markennamen in Tags: schlecht ausgerichtete Sichtbarkeit bringt nichts.
Ein Attribut, das du nicht ehrlich ausfüllen kannst, bleibt leer. Leer schlägt falsch.
Ein ausgefülltes Attribut verändert deine Tags
Wenn Material, Farbe und Anlass bereits deklariert sind, müssen deine 13 Tags sie nicht mehr als Einzelwörter wiederholen. Dieser Platz wird frei für Phrasen aus zwei bis vier Wörtern, also für das, was Käuferinnen wirklich eintippen.
Ein erfundenes Beispiel, eine Namenskette aus Silber:
| Als Attribut deklariert | Was das bei den Tags frei macht |
|---|---|
| Material: Sterlingsilber | „Namenskette Silber“ statt „Silber“ |
| Farbe: Silber | „feine Silberkette“ statt „silberfarben“ |
| Anlass: Geburtstag | „Geburtstagsgeschenk Freundin“ statt „Geburtstag“ |
| Empfänger: Damen | „personalisierter Schmuck Damen“ statt „Damen“ |
Das Prinzip passt in eine Zeile: Das Attribut deckt das Wort ab, der Tag deckt die Phrase ab.
Drei Minuten Durchsicht pro Angebot
- Kategorie auf der genauesten Ebene, die noch stimmt.
- Attribute: die ganze angebotene Liste durchgehen, ausfüllen, was zutrifft, den Rest leer lassen.
- Tags: danach noch einmal lesen und die ersetzen, die nur ein Attribut wiederholen.
- Titel: unverändert, wenn deine wichtigste Schlüsselphrase schon drinsteht.
Fang mit deinen zehn meistgesehenen Angeboten an, bevor du es auf den ganzen Shop ausrollst, und notiere das Datum der Änderung. Wie bei Tags wird ein geändertes Angebot nicht binnen einer Minute neu bewertet: Lass zwei bis vier Wochen vergehen, bevor du ein Fazit ziehst.
Attribute sind der undankbarste Teil eines Angebots. Keine Kreativität, nichts zum Herzeigen, niemand bemerkt sie. Genau deshalb liegen sie in so vielen Shops halb ausgefüllt herum, und genau deshalb kostet dich das Nachholen einen Abend statt eines Werbebudgets.
Es ist auch der erste Block, den du abhakst, wenn du deinen Shop durchgehst, noch bevor du am Text arbeitest: Hier beginnt ein Angebots-Audit. Die Attribute bleiben in deiner Hand, Angebot für Angebot. Für den Textblock schlägt Fyncha aus deinem bestehenden Angebot Titel, 13 Tags und Beschreibung auf Englisch und Französisch vor, die du im Diff prüfst und Feld für Feld freigibst.